Samstag, 9. Juni 2012

Berndt Schulz - Moderholz (ein Garten-Krimi aus Frankfurt am Main)


Der erste Eindruck von diesem Roman ging mit Verwunderung einher.

Meiner Meinung nach sind Krimis/Thriller eigentlich immer an ähnlich gestalteten Covern und einer fast identischen Seitenzahl eindeutig zu identifizieren. Dieser erfüllte zwar das erste Kriterium, aber sieht mit mickrigen 188 Seiten sehr schwach gegen seine Artgenossen aus.
Aber ich dachte mir: wenn das schon nur so kurz ist, ist er sicher von Anfang bis Ende auf jeder Seite packend und spannend!
Leider wurde ich in dieser Annahme enttäuscht. Nach 80 Seiten war nicht einmal eine Leiche in Sicht und die Beschreibungen der Personen und dem was diese taten, waren nicht wirklich unterhaltsam.  


Mein persönlicher Lichtblick war die Einführung einer Dame, die wie ich Sinologie studiert hatte. Leider war die Rolle nicht sonderlich ausgebaut, so dass ich hätte stolz darauf sein können. 

Den Größten Teil des Buches, plätscherten die Handlungsstränge so vor sich hin und ich finde auf 188 Seiten, ist das etwas, das man sich einfach nicht leisten kann. Ich mochte die Hauptfigur, einen ehemaligen Hauptkriminalkommissar, nicht wirklich und konnte mich nicht im geringsten mit ihm identifizieren. 

Gegen Ende kamen sogar noch GZSZ-reife Dialoge hinzu! 
Das volle "Wie konntest du nur?", "Was hast du getan?" und "Ich habe dich NIE geliebt!", war wirklich eine Spur zu kitschig und einfach abgeschmackt. 

Ich war recht froh, dass es nur ein schmales Buch war. Der Aufhänger rund um das Gärtnern im Park ist dabei durchaus nett, aber das Drumherum war wirklich einfallslos.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Unterteilung des Buches in Kapitel. An der Zahl gibt es 5, wobei das letzte schon auf Seite 70 eingeläutet wird, obwohl es dafür inhaltlich und auch vom Blickpunkt her keinen Grund gegeben hätte. Absätze und Blickpunktwechsel sind durch eine Blättergrafik gegeben und eigentlich hätte man sich damit auch die 5 Kapitelüberschriften sparen können. 

Der Titel "Moderholz" hat mich während des Buches durchaus verwirrt. Ich hatte gehofft, das diesem auch für die Lösung des Rätsels eine höhere Bedeutung beigemessen würde. Dem war einfach nicht so.

Letztlich muss ich einfach sagen, dass es dem Buch an massiv Spannung fehlt. Die Figuren sind nicht wirklich gelungen, die Dialoge sind wie schon erwähnt platt und eher Soap-Material. Dabei würde ich dem Autor wirklich mehr zutrauen, denn einige Zeilen haben mir wirklich gefallen. Hier mein Highlight:
""Gestern Abend hat bis acht die Sonne geschienen."
"Man sieht nur noch Bäuche."
"Ich fühle mich heute so gut, ich könnte auf einer Baustelle arbeiten."
Die Damen in seiner Nachbarschaft sonderten stundenlang solche Sätze ab. Sie sprachen die Sätze vor sich hin, als seien sie als Humus für den Park gedacht, als redeten sie nicht miteinander."
  
Leider ist das Buch hier auch an eine Sinologin geraten, der 2 sehr lästige Druckfehler aufgefallen sind.
Die Stadt Suzhou wird recht häufig erwähnt und auf 188 Seiten, sage und schreibe 2 mal falsch geschrieben und das auf verschiedene Weise: Souzhou ( Seite 40) und Shuzhou (Seite 141).
Das sollte echt nicht passieren.


Das alles bildet einen lieblosen, spannungslosen, einfallslosen Krimi (oder eher eine Kurzgeschichte?), die einem vielleicht die Zeit in einem Wartezimmer verkürzen kann - nicht mehr und nicht weniger.

Das Buch ist im Sutton Verlag erschienen und kann hier bestellt werden. 
Danke an Blog dein Buch für die Möglichkeit des Lesens.

Kommentare:

  1. Ich kann dir nur zustimmen, ich fand das Buch auch lengweilig :-)

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    1. ..kann man leider echt niemandem empfehlen :(
      Aber zumindest hatte es nur wenige Seiten! Stell dir vor, es wären 400 gewesen. Das hätt ich nicht überlebt.

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